Rechnet sich meine PV-Anlage? So rechnen Sie es selbst

Lesezeit: 4 Minuten · Stand: 2026-10-17

«Wann rechnet sich meine Anlage?» ist die Frage, auf die es überall eine Zahl gibt und selten eine brauchbare. Wir nennen hier bewusst keine. Stattdessen zeigt dieser Beitrag, wie Sie die Wirtschaftlichkeit mit Ihren eigenen Werten in vier Schritten selbst ausrechnen – in zwanzig Minuten, mit der letzten Stromrechnung und einem Angebot.

Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage selbst berechnen
Zwei Zahlen vergleichen – mehr braucht es im Kern nicht.
Kurz erklärt

Die entscheidende Frage lautet nicht «nach wie vielen Jahren», sondern: Kostet eine selbst erzeugte Kilowattstunde weniger als eine gekaufte? Dafür brauchen Sie zwei Zahlen – die Stromgestehungskosten Ihrer geplanten Anlage und Ihren Arbeitspreis. Alles Weitere sind Verfeinerungen.

Die wichtigsten Fakten
  • Die Kernfrage: eigene Kilowattstunde günstiger als gekaufte?
  • Stromgestehungskosten = Gesamtkosten geteilt durch erzeugte Menge
  • Eigenverbrauch spart den Arbeitspreis, Einspeisung bringt die Vergütung
  • Amortisationszahlen hängen an ungeprüften Annahmen
  • Der Speicher erhöht die Kosten, ohne die Erzeugung zu erhöhen
  • Rechnen Sie mit Ihrer Stromrechnung, nicht mit Durchschnittswerten

Vier Schritte zur eigenen Zahl

Was Sie brauchen: Angebot und letzte Stromrechnung

  1. Ertrag über die Nutzungsdauer schätzen. Standortbezogenen Jahresertrag besorgen – etwa über den Rechner PVGIS der Europäischen Kommission – und mit der Nutzungsdauer multiplizieren. Ziehen Sie für die Alterung der Module einen Abschlag ab.
  2. Gesamtkosten zusammenstellen. Angebotspreis, Finanzierung, Versicherung, Wartung und ein Wechselrichtertausch innerhalb der Laufzeit.
  3. Stromgestehungskosten bilden. Gesamtkosten geteilt durch die Strommenge. Das Ergebnis ist ein Betrag in Cent je Kilowattstunde.
  4. Vergleichen. Gegen Ihren Arbeitspreis für den Teil, den Sie selbst verbrauchen – und gegen die Einspeisevergütung für den Rest.
Beleg

Warum der vierte Schritt zwei Vergleiche braucht: Selbst verbrauchter Strom ersetzt gekauften und ist deshalb den Arbeitspreis wert. Eingespeister Strom bringt die Vergütung. Beide Werte unterscheiden sich um ein Vielfaches – deshalb entscheidet der Eigenverbrauchsanteil stärker über die Wirtschaftlichkeit als der Anlagenpreis.

Die Zahl, die am meisten bewegt

Wie hoch Ihr Eigenverbrauchsanteil ausfällt, hängt an Ihrem Tagesablauf, nicht an der Technik. Ein Haushalt, der tagsüber leer ist, verbraucht wenig selbst; einer mit Homeoffice, Wärmepumpe oder Elektroauto deutlich mehr.

Deshalb ist die erste Frage vor jeder Rechnung: Wann verbrauche ich Strom? Wer das nicht einschätzen kann, findet es über die Überwachungsdaten eines Nachbarn oder über ein Lastprofil aus der Beratung heraus – oder rechnet konservativ.

Vier Fehler in Wirtschaftlichkeitsrechnungen

Worauf Sie in Angeboten achten
Fehler Wirkung Prüffrage
Optimistischer Eigenverbrauchsanteil verkürzt die Rechnung deutlich Wie wurde er ermittelt?
Unterstellte Strompreissteigerung macht jede Zahl beliebig Welcher Satz, über wie viele Jahre?
Kein Wechselrichtertausch eingeplant fehlender Kostenblock Ist er in der Laufzeit enthalten?
Ertrag ohne Standortbezug zu hohe Erwartung Wurde das eigene Dach gerechnet?

Die zweite Zeile ist die wirksamste: Eine unterstellte Strompreissteigerung von drei Prozent jährlich verändert das Ergebnis über zwanzig Jahre erheblich – und sie ist eine Prognose, keine Rechnung. Lassen Sie sich die Rechnung ohne Steigerung zeigen; was dann noch trägt, trägt wirklich.

Was der Speicher damit macht

Er erhöht die Kosten, ohne die Erzeugung zu erhöhen – und damit die Stromgestehungskosten. Rechtfertigen muss er sich über den zusätzlichen Eigenverbrauch, den er ermöglicht. Ob das aufgeht, hängt an seinem Preis und an der Menge, die er tatsächlich verschiebt; die Größenordnung steht im Beitrag zur Speichergröße.

Getrennt rechnen – Rechnen Sie die Anlage und den Speicher zunächst getrennt. Eine Anlage, die sich nur mit Speicher rechnet, rechnet sich meist gar nicht – und eine, die sich ohne rechnet, wird durch den Speicher nicht schlechter, sondern nur langsamer.

Warum wir keine Zahl nennen

In eigener Sache

Auf dieser Website steht an keiner Stelle, nach wie vielen Jahren sich eine Anlage amortisiert. Das ist Absicht. Eine solche Zahl ist das Ergebnis von fünf Annahmen – Eigenverbrauchsanteil, Strompreisentwicklung, Ertrag, Betriebskosten und Finanzierung – und keine davon kennen wir für Ihre Anlage.

Was wir stattdessen liefern: die Rechenwege, die Prüffragen und die Datengrundlagen. Das ist weniger bequem und mehr wert.

Häufige Fragen

Wann amortisiert sich eine Photovoltaikanlage?

Das hängt an mehreren Annahmen, die für jede Anlage anders ausfallen. Aussagekräftiger ist die Frage, ob eine selbst erzeugte Kilowattstunde günstiger ist als eine gekaufte.

Was sind Stromgestehungskosten?

Die Gesamtkosten der Anlage geteilt durch die erzeugte Strommenge über die Nutzungsdauer – ein Betrag in Cent je Kilowattstunde.

Welche Zahl entscheidet am meisten?

Der Eigenverbrauchsanteil. Selbst verbrauchter Strom ist den Arbeitspreis wert, eingespeister nur die Vergütung – der Unterschied ist ein Vielfaches.

Soll ich eine Strompreissteigerung einrechnen?

Lassen Sie sich die Rechnung zuerst ohne zeigen. Was ohne Steigerung trägt, trägt sicher.

Rechnet sich ein Speicher?

Er erhöht die Kosten, ohne die Erzeugung zu erhöhen. Rechnen Sie Anlage und Speicher getrennt.

Wo bekomme ich einen standortbezogenen Ertragswert?

Über den Rechner PVGIS der Europäischen Kommission oder aus einer Ertragsprognose, die Ihr Dach berücksichtigt.

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Quellen

Verwendete Quellen mit Stand und Abrufdatum
Quelle Dokument Stand
Fraunhofer ISE Studie Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien 2026
Europäische Kommission PVGIS, Ertragsprognose laufend
Bundesministerium der Justiz EEG 2023, Vergütungssätze geltende Fassung

Stand: 17. Oktober 2026

Über den Autor

Maik Möhring ist Herausgeber von sonne-24.de. Er bereitet öffentlich zugängliche Register- und Behördendaten so auf, dass Verbraucherinnen und Verbraucher damit konkrete Entscheidungen treffen können, und verantwortet die Quellenprüfung jedes Beitrags.

Profil: LinkedIn · Kontakt: team@sonne-24.de