Photovoltaik und Wärmepumpe: warum der Kalender dagegen arbeitet
Photovoltaik und Wärmepumpe gelten als das ideale Paar: eigener Strom für die eigene Heizung. Das stimmt, aber weniger stark, als die meisten Rechnungen nahelegen – und der Grund liegt im Kalender. Die Anlage liefert im Sommer, die Heizung braucht im Winter. Dieser Beitrag zeigt, wie groß der tatsächliche Deckungsbeitrag ist, was ihn erhöht und welche vier Punkte vor der Planung geklärt sein müssen.

Eine Wärmepumpe erhöht den Stromverbrauch erheblich und verschiebt ihn in die dunkle Jahreszeit. Eine Photovoltaikanlage deckt davon einen Teil, aber nicht den Löwenanteil – im Dezember und Januar liefert sie einen Bruchteil dessen, was sie im Juni erzeugt. Der Gewinn der Kombination liegt in der Übergangszeit und beim Warmwasser, nicht in der Heizperiode.
- Die Wärmepumpe verschiebt den Verbrauch in den Winter, die Anlage liefert im Sommer
- Der Stromverbrauch ergibt sich aus Wärmebedarf geteilt durch Jahresarbeitszahl
- Der größte Deckungsbeitrag entsteht in Übergangszeit und Warmwasserbereitung
- SG Ready ist die Mindestvoraussetzung für eine Überschusssteuerung
- Ein größerer Speicher verschiebt Stunden, keine Monate
- Wärmepumpentarif und § 14a EnWG gehören vor der Planung geklärt
Das Problem heißt Kalender
Eine Photovoltaikanlage erzeugt den weitaus größten Teil ihres Jahresertrags zwischen März und Oktober. Eine Wärmepumpe verbraucht den weitaus größten Teil ihres Stroms zwischen November und März. Die beiden Kurven überschneiden sich am Rand, nicht in der Mitte.
Was das rechnerisch bedeutet: Ein Haus mit 15.000 Kilowattstunden Wärmebedarf und einer Jahresarbeitszahl von 3,5 braucht rund 4.300 Kilowattstunden Strom für die Heizung. Der Anteil davon, der aus der eigenen Anlage kommt, hängt vollständig davon ab, wann er anfällt – und er fällt überwiegend dann an, wenn die Anlage wenig liefert. Wer eine Rechnung sieht, die den Heizstrom pauschal zu 60 oder 70 Prozent aus der Anlage deckt, sollte nach der Monatsverteilung fragen.
Wo der Gewinn tatsächlich entsteht
| Anwendung | Zeitraum | Deckung durch die Anlage |
|---|---|---|
| Warmwasser | ganzjährig, Bedarf gleichmäßig | hoch im Sommer, mittel in der Übergangszeit |
| Heizung Übergangszeit | März bis Mai, September bis Oktober | spürbar |
| Heizung Kernwinter | Dezember bis Februar | gering |
| Haushaltsstrom | ganzjährig | unverändert gut |
Daraus folgt die praktische Reihenfolge: Wer die Kombination plant, sollte zuerst die Warmwasserbereitung und die Übergangszeit optimieren. Dort liegt der erreichbare Gewinn.
Wie groß muss die Anlage werden?
Größer als ohne Wärmepumpe, aber nicht beliebig. Der zusätzliche Strombedarf lässt sich ausrechnen: Wärmebedarf geteilt durch Jahresarbeitszahl. Grundlagen zur Wärmegewinnung aus Luft und deren Effizienz helfen bei der Einordnung dieser Rechnung. Ob sich die zusätzliche Anlagenleistung lohnt, hängt dann daran, wie viel davon in der dunklen Jahreszeit gebraucht wird – und da hilft mehr Leistung wenig.
Die härtere Grenze bleibt ohnehin die Dachfläche. Wer sie ausnutzt, hat den größtmöglichen Beitrag; wer darüber hinaus plant, produziert Einspeisung. Wie viel aufs Dach passt, steht im Beitrag zur Anlagengröße.
Was die Steuerung bringt
Eine SG-Ready-Schnittstelle erlaubt es, die Wärmepumpe bei Solarüberschuss verstärkt laufen zu lassen – etwa, um den Pufferspeicher oder das Warmwasser über Mittag hochzuheizen. Das verschiebt Verbrauch in die Erzeugungsstunden und erhöht den Eigenverbrauch spürbar.
Was sie nicht kann: Wärme über Monate speichern. Ein Pufferspeicher trägt Stunden, ein Batteriespeicher ebenfalls. Die saisonale Lücke schließt keine Haustechnik, die derzeit im Einfamilienhaus üblich ist.
Vier Punkte vor der Planung
Was geklärt sein muss
- Wärmebedarf und Jahresarbeitszahl. Ohne diese beiden Zahlen lässt sich der Stromverbrauch der Heizung nicht abschätzen – und ohne den keine sinnvolle Anlagengröße.
- Wärmepumpentarif und § 14a EnWG. Steuerbare Verbrauchseinrichtungen können vom Netzbetreiber gedrosselt werden, im Gegenzug für reduzierte Netzentgelte. Was in Ihrem Netzgebiet gilt, sagt Ihnen der Netzbetreiber.
- Zähler und Messkonzept. Ob die Wärmepumpe einen eigenen Zähler bekommt, wirkt sich auf Tarif und Abrechnung aus. Das gehört vor die Beauftragung.
- Reihenfolge der Gewerke. Wenn beides neu kommt, sollten Elektroplanung, Zählerschrank und Steuerung gemeinsam geplant werden – sonst wird zweimal gearbeitet.
Häufige Fragen
Lohnt sich Photovoltaik mit Wärmepumpe?
In der Regel ja, aber der Gewinn ist kleiner als oft dargestellt. Die Anlage deckt den Heizstrom vor allem in der Übergangszeit und beim Warmwasser, kaum im Kernwinter.
Wie viel Strom braucht eine Wärmepumpe?
Wärmebedarf geteilt durch Jahresarbeitszahl. Bei 15.000 Kilowattstunden Wärme und einer JAZ von 3,5 sind das rund 4.300 Kilowattstunden im Jahr.
Wie groß sollte die Anlage dann sein?
So groß, wie die Dachfläche sinnvoll zulässt. Mehr Leistung hilft im Winter wenig, weil dann die Einstrahlung fehlt, nicht die Modulfläche.
Brauche ich einen Batteriespeicher dafür?
Er erhöht den Eigenverbrauch über den Tag, überbrückt aber keine Wochen. Für die Heizperiode ist er kein Ersatz für Netzstrom.
Was ist § 14a EnWG?
Eine Regelung zu steuerbaren Verbrauchseinrichtungen: Der Netzbetreiber darf die Leistung im Bedarfsfall reduzieren, im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte. Die Einzelheiten regelt Ihr Netzbetreiber.
Muss die Wärmepumpe im Marktstammdatenregister gemeldet werden?
Die Wärmepumpe selbst ist keine Erzeugungsanlage. Meldepflichtig sind Photovoltaikanlage und Speicher; für steuerbare Verbrauchseinrichtungen gelten eigene Anzeigepflichten beim Netzbetreiber.
Weiterführende Beiträge
- Jahresarbeitszahl: wie viel Strom die Wärmepumpe braucht
- SG Ready: vier Zustände, mehr nicht
- Anlagengröße: wie viel kWp wirklich sinnvoll sind
- Speicher nachrüsten: was er leistet
Quellen
| Quelle | Dokument | Stand |
|---|---|---|
| Bundesministerium der Justiz | § 14a EnWG, steuerbare Verbrauchseinrichtungen | geltende Fassung |
| Bundesverband Wärmepumpe | SG-Ready-Kennzeichnung | laufend |
| Europäische Kommission | PVGIS, Monatserträge | laufend |
Hinweis zu Deckungsquoten – Wie viel des Heizstroms eine Anlage tatsächlich deckt, hängt von Standort, Ausrichtung, Gebäude, Jahresarbeitszahl und Nutzerverhalten ab. Wir nennen deshalb keine Prozentzahl. Eine belastbare Aussage liefert nur eine Simulation mit Ihren Monatswerten.
Stand: 19. September 2026
Maik Möhring ist Herausgeber von sonne-24.de. Er bereitet öffentlich zugängliche Register- und Behördendaten so auf, dass Verbraucherinnen und Verbraucher damit konkrete Entscheidungen treffen können, und verantwortet die Quellenprüfung jedes Beitrags.
Profil: LinkedIn · Kontakt: team@sonne-24.de