Speicherquote: warum die einfache Erklärung nicht reicht

Lesezeit: 4 Minuten · Stand: 2026-10-11

Die Speicherquote ist die Kennzahl mit der größten regionalen Spanne: von 21,7 Prozent im Landkreis Rottal-Inn bis 52,4 Prozent in Düsseldorf. Die naheliegende Erklärung lautet: kleine Anlagen, viel Eigenverbrauch, mehr Speicher. Wir haben das nachgerechnet – und die Erklärung trägt schwächer, als wir selbst angenommen hatten.

Speicherquote im Landkreisvergleich und ihre Erklärung
Der Zusammenhang ist da – aber schwächer als erwartet.
Kurz erklärt

Über 387 Landkreise mit mindestens 2.000 Anlagen liegt die Korrelation zwischen durchschnittlicher Anlagengröße und Speicherquote bei −0,26. Der Zusammenhang zeigt in die erwartete Richtung, erklärt aber nur einen kleinen Teil der Unterschiede. Kreise mit kleinen Anlagen kommen im Mittel auf 40,7 Prozent Speicherquote, Kreise mit großen auf 36,0 – vier Prozentpunkte, bei einer Gesamtspanne von über dreißig.

Die wichtigsten Fakten
  • Spanne: 21,7 % (Rottal-Inn) bis 52,4 % (Düsseldorf)
  • Korrelation Anlagengröße zu Speicherquote: −0,26 über 387 Kreise
  • Kreise mit Ø unter 15 kWp: 40,7 % Speicherquote im Mittel
  • Kreise mit Ø ab 30 kWp: 36,0 % im Mittel
  • Vier Prozentpunkte Unterschied bei über dreißig Punkten Gesamtspanne
  • Datenstand: Marktstammdatenregister, 27. August 2026

Die Spitzengruppe

Höchste Speicherquote, Kreise ab 2.000 Anlagen
Kreis Bundesland Speicherquote Ø Anlagengröße
Kreisfreie Stadt Düsseldorf Nordrhein-Westfalen 52,4 % 14,0 kWp
Kreisfreie Stadt Potsdam Brandenburg 51,1 % 15,4 kWp
Landkreis München Bayern 50,7 % 14,8 kWp
Hochtaunuskreis Hessen 50,5 % 10,2 kWp
Rhein-Kreis Neuss Nordrhein-Westfalen 48,7 % 13,7 kWp
Kreis Mettmann Nordrhein-Westfalen 48,3 % 10,1 kWp
Niedrigste Speicherquote, Kreise ab 2.000 Anlagen
Kreis Bundesland Speicherquote Ø Anlagengröße
Landkreis Rottal-Inn Bayern 21,7 % 28,5 kWp
Landkreis Regen Bayern 23,4 % 19,9 kWp
Landkreis Dingolfing-Landau Bayern 23,8 % 33,5 kWp
Landkreis Ansbach Bayern 24,5 % 29,6 kWp
Landkreis Schwäbisch Hall Baden-Württemberg 25,6 % 24,7 kWp
Landkreis Altötting Bayern 26,8 % 24,3 kWp

Auf den ersten Blick bestätigt sich das Muster: Oben stehen Kreise mit Anlagen zwischen 10 und 15 kWp, unten solche zwischen 20 und 34. Fünf der sechs Schlusslichter liegen in Bayern.

Was die Rechnung ergibt

Beleg

Über alle 387 Kreise mit mindestens 2.000 Anlagen beträgt die Korrelation zwischen durchschnittlicher Anlagengröße und Speicherquote −0,26. Das ist ein schwacher Zusammenhang. Zum Vergleich der Gruppenvergleich: 169 Kreise mit im Mittel unter 15 kWp je Anlage kommen auf 40,7 Prozent Speicherquote, 59 Kreise mit 30 kWp und mehr auf 36,0 Prozent. Vier Prozentpunkte Unterschied – bei einer Gesamtspanne von 21,7 bis 52,4 Prozent.

Anders gesagt: Die Anlagengröße erklärt einen Teil des Unterschieds, aber bei weitem nicht den größten. Wer zwei Kreise mit gleicher Anlagengröße vergleicht, findet dort trotzdem sehr unterschiedliche Speicherquoten.

Eine Korrektur in eigener Sache

In eigener Sache

In früheren Beiträgen haben wir die Speicherquote mehrfach mit der Anlagengröße erklärt – teils als Deutung gekennzeichnet, an einer Stelle aber auch als schlichte Feststellung. Nach dieser Rechnung war das zu stark formuliert.

Richtig ist: Der Zusammenhang besteht und zeigt in die erwartete Richtung, ist aber schwach. Wir haben die betroffene Stelle angepasst und formulieren künftig vorsichtiger.

Was sonst dahinterstecken könnte

Mehrere Faktoren, die wir aus dem Register nicht messen können: Gebäudetyp und Eigentumsquote, Haushaltseinkommen, Alter des Anlagenbestands, örtliche Förderprogramme, Beratungsangebote und schlicht, welche Betriebe in der Region welche Pakete verkaufen.

Auffällig ist die Spitzengruppe: Düsseldorf, Potsdam, Landkreis München, Hochtaunuskreis, Rhein-Kreis Neuss, Mettmann. Das sind wohlhabende Städte und Umlandkreise – dasselbe Muster, das wir schon auf Gemeindeebene gesehen haben. Ein Speicher kostet zusätzlich; das ist die naheliegendste Erklärung.

Auch das bleibt Deutung – Das Register enthält keine Einkommensdaten, und wir verknüpfen keine Fremddaten, deren Erhebung wir nicht geprüft haben. Das Muster fällt auf; ein Beleg ist es nicht. Siehe Scheinkorrelation.

Was Sie damit anfangen können

Für die eigene Entscheidung wenig – ob sich ein Speicher lohnt, hängt an Ihrem Verbrauchsprofil, nicht am Kreisdurchschnitt. Die Rechnung dazu steht im Beitrag zur Speichergröße.

Für das Verständnis des Marktes mehr: Eine Speicherquote von über 50 Prozent zeigt, dass Speicher in manchen Regionen bereits der Normalfall sind. Und die Spanne zeigt, dass regionale Unterschiede beim Ausbau nicht nur eine Frage der Sonneneinstrahlung sind.

Häufige Fragen

Welcher Landkreis hat die höchste Speicherquote?

Unter den Kreisen ab 2.000 Anlagen Düsseldorf mit 52,4 Prozent, gefolgt von Potsdam mit 51,1 und dem Landkreis München mit 50,7 Prozent.

Welcher hat die niedrigste?

Der Landkreis Rottal-Inn mit 21,7 Prozent. Fünf der sechs Schlusslichter liegen in Bayern.

Hängt die Speicherquote von der Anlagengröße ab?

Schwach. Die Korrelation beträgt −0,26 über 387 Kreise; Kreise mit kleinen Anlagen liegen im Mittel nur vier Prozentpunkte höher.

Was erklärt die Unterschiede dann?

Vermutlich mehrere Faktoren, die im Register nicht enthalten sind – Gebäudetyp, Einkommen, Alter des Bestands, örtliche Programme und das Angebot der Betriebe.

Sagt die Speicherquote etwas über die Wirtschaftlichkeit?

Nein. Ob sich ein Speicher lohnt, hängt an Ihrem Verbrauchsprofil, nicht am Kreisdurchschnitt.

Woher stammen die Zahlen?

Aus dem Gesamtdatenexport des Marktstammdatenregisters vom 27. August 2026, ausgewertet für alle Kreise mit mindestens 2.000 Anlagen.

Weiterführende Beiträge

Quellen

Verwendete Quellen mit Stand und Abrufdatum
Quelle Dokument Stand
Bundesnetzagentur Marktstammdatenregister, Gesamtdatenexport 27.08.2026
sonne-24.de Eigene Auswertung, 387 Kreise ab 2.000 Anlagen 31.08.2026
GovData Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0 geltende Fassung

Stand: 11. Oktober 2026

Über den Autor

Maik Möhring ist Herausgeber von sonne-24.de. Er bereitet öffentlich zugängliche Register- und Behördendaten so auf, dass Verbraucherinnen und Verbraucher damit konkrete Entscheidungen treffen können, und verantwortet die Quellenprüfung jedes Beitrags.

Profil: LinkedIn · Kontakt: team@sonne-24.de