Stadt gegen Land: wo Photovoltaik am schnellsten wächst

Lesezeit: 5 Minuten · Stand: 2026-09-13

Beim Photovoltaik-Zubau haben sich die Verhältnisse umgekehrt: Die Städte wachsen schneller als das Land. Die 106 kreisfreien Städte kamen 2025 auf eine Zubauquote von 21,7 Prozent, die 294 Landkreise auf 15,8. Unter den acht Kreisen mit dem stärksten Wachstum sind acht Städte. In absoluten Zahlen bleibt das Land trotzdem klar vorn – und beide Befunde zusammen ergeben erst das Bild.

Photovoltaik-Zubau in Städten und Landkreisen im Vergleich
Die Städte wachsen schneller, das Land baut mehr.
Kurz erklärt

Städte: 586.642 Anlagen, im Mittel 12,1 kWp, Zubauquote 21,7 Prozent. Landkreise: 3.927.470 Anlagen, im Mittel 21,3 kWp, Zubauquote 15,8 Prozent. Die Städte tragen nur 13,0 Prozent des Bestands, wachsen aber deutlich schneller. Die wahrscheinlichste Erklärung liegt in der Anlagengröße: Wo im Mittel 8 bis 10 kWp je Anlage registriert werden, sind viele kleine Anlagen im Spiel.

Die wichtigsten Fakten
  • Städte: Zubauquote 21,7 % · Landkreise: 15,8 %
  • Bundesweit 749.509 neue Anlagen im Jahr 2025, das sind 16,6 % des Bestands
  • Städte tragen 13,0 % des Bestands, aber 17,0 % des Zubaus
  • Durchschnittliche Anlagengröße: 12,1 kWp in Städten, 21,3 kWp in Landkreisen
  • Spitzenreiter Kassel mit 28,4 %, Schlusslicht Rottal-Inn mit 8,1 %
  • Datenstand: Marktstammdatenregister, 27. August 2026

Städte gegen Landkreise: die Zahlen

Bestand und Zubau nach Gebietstyp
Kreisfreie Städte Landkreise
Anzahl der Kreise 106 294
Anlagen 586.642 3.927.470
Anteil am Bestand 13,0 % 87,0 %
Ø Anlagengröße 12,1 kWp 21,3 kWp
Speicherquote 41,4 % 37,7 %
Neue Anlagen 2025 127.472 622.037
Zubauquote 21,7 % 15,8 %
Beleg

Beide Sätze stimmen gleichzeitig: Das Land baut fünfmal so viele Anlagen wie die Städte – 622.037 gegen 127.472. Und die Städte wachsen um die Hälfte schneller, gemessen an ihrem Bestand. Wer nur eine der beiden Zahlen nennt, erzählt die halbe Geschichte. Eigene Auswertung des Marktstammdatenregisters, Stand 27. August 2026.

Wo am schnellsten gebaut wird

Höchste Zubauquote 2025, Kreise ab 3.000 Anlagen
Kreis Zubauquote Ø Anlagengröße
Kreisfreie Stadt Kassel 28,4 % 10,0 kWp
Kreisfreie Stadt Bremen 27,3 % 10,2 kWp
Kreisfreie Stadt Hamburg 26,8 % 9,2 kWp
Kreisfreie Stadt Oberhausen 26,2 % 8,3 kWp
Kreisfreie Stadt Berlin 25,8 % 8,4 kWp
Kreisfreie Stadt Düsseldorf 25,7 % 14,0 kWp
Stadtkreis Stuttgart 25,7 % 9,6 kWp
Kreisfreie Stadt Duisburg 25,6 % 9,5 kWp

Acht von acht sind Städte, und sieben davon haben eine durchschnittliche Anlagengröße unter 11 kWp. Oberhausen kommt auf 8,3 kWp, Berlin auf 8,4 – Werte, die weit unter dem liegen, was eine gewöhnliche Dachanlage misst.

Woher kommt das städtische Wachstum?

Die Daten legen eine Erklärung nahe, ohne sie zu beweisen: Steckersolargeräte. Ein Balkonkraftwerk ist im Register eine Solareinheit wie jede andere, misst aber typischerweise unter einem Kilowatt. Wo viele davon registriert werden, sinkt der Mittelwert und steigt die Anlagenzahl.

Das passt zum Muster: 39 der 106 Städte liegen unter 11 kWp im Mittel, und die Spitzenreiter beim Zubau sind genau diese. Es passt auch zur Gesetzeslage – das Solarpaket I hat die Anmeldung von Steckersolargeräten deutlich vereinfacht.

Deutung, kein Befund – Der Gesamtdatenexport weist Steckersolargeräte nicht als eigene Kategorie aus, die wir hier zuverlässig herausrechnen könnten. Der Zusammenhang zwischen kleiner Anlagengröße und hoher Zubauquote ist belegt, die Erklärung über Balkonkraftwerke ist plausibel, aber aus diesen Daten allein nicht bewiesen.

Und wo am langsamsten?

Niedrigste Zubauquote 2025, Kreise ab 3.000 Anlagen
Landkreis Zubauquote Ø Anlagengröße
Landkreis Rottal-Inn 8,1 % 28,5 kWp
Landkreis Dingolfing-Landau 8,7 % 33,5 kWp
Landkreis Straubing-Bogen 8,7 % 42,9 kWp
Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen 9,0 % 28,6 kWp
Landkreis Landshut 9,1 % 25,1 kWp
Landkreis Deggendorf 9,2 % 37,3 kWp

Alle sechs liegen in Bayern, alle haben überdurchschnittlich große Anlagen. Straubing-Bogen kommt auf 42,9 kWp je Anlage bei 8,7 Prozent Zubauquote. Das ist das Spiegelbild der Städte: wenige, große Anlagen auf Höfen und Scheunen – und ein Bestand, der offenbar näher an der Sättigung ist.

Vorsicht bei der Deutung: Eine niedrige Quote kann Sättigung bedeuten oder fehlende Nachfrage. Die Zubauquote allein unterscheidet das nicht.

Was heißt das für Sie?

Wenig für die eigene Anlage, viel für die Einschätzung des Marktes vor Ort. In einem Kreis mit hoher Zubauquote arbeiten Betriebe am Limit – rechnen Sie eher mit Wartezeit als mit Preisnachlass. In einem Kreis mit niedriger Quote ist es umgekehrt.

Die Werte für Ihren Landkreis stehen auf der jeweiligen Seite im Solaratlas. Wie Sie Betriebe vor Ort finden, steht im Beitrag zu den vier Wegen ohne Portal.

Wie wir zählen

Grundlage ist der Gesamtdatenexport des Marktstammdatenregisters, Stand 27. August 2026. Gezählt werden Solareinheiten mit dem Betriebsstatus «in Betrieb», zugeordnet über den amtlichen Gemeindeschlüssel. Als Stadt gelten kreisfreie Städte und die baden-württembergischen Stadtkreise, insgesamt 106 von 400 Kreisen. Große Kreisstädte zählen zu ihrem Landkreis, siehe kreisfreie Stadt. Der Zubau bezieht sich auf das Kalenderjahr 2025.

Häufige Fragen

Wachsen Städte oder Landkreise schneller beim Photovoltaik-Zubau?

Gemessen an der Zubauquote die Städte: 21,7 Prozent gegenüber 15,8 Prozent im Jahr 2025. In absoluten Zahlen bauen die Landkreise mit 622.037 neuen Anlagen fünfmal so viel wie die Städte mit 127.472.

Welcher Kreis hatte 2025 die höchste Zubauquote?

Unter den Kreisen ab 3.000 Anlagen die kreisfreie Stadt Kassel mit 28,4 Prozent, gefolgt von Bremen mit 27,3 und Hamburg mit 26,8 Prozent.

Warum sind Anlagen in Städten kleiner?

Dachflächen sind kleiner und häufiger geteilt. Dazu kommen Steckersolargeräte, die als eigene Einheiten gezählt werden und den Mittelwert nach unten ziehen.

Sind Balkonkraftwerke in den Zahlen enthalten?

Ja, sie sind im Register Solareinheiten wie andere auch. Getrennt ausweisen lassen sie sich aus dem Gesamtdatenexport nicht zuverlässig.

Bedeutet eine niedrige Zubauquote, dass sich Photovoltaik dort nicht lohnt?

Nein. Sie beschreibt das Wachstum, nicht die Wirtschaftlichkeit. Ein Kreis mit vielen bereits belegten Dächern wächst langsamer, ohne dass eine neue Anlage dort schlechter wäre.

Woher stammen die Zahlen?

Aus dem Gesamtdatenexport des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur, ausgewertet für alle 400 Kreise. Stand ist der 27. August 2026.

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Quellen

Verwendete Quellen mit Stand und Abrufdatum
Quelle Dokument Stand
Bundesnetzagentur Marktstammdatenregister, Gesamtdatenexport 27.08.2026
sonne-24.de Eigene Auswertung, 400 Kreise 27.08.2026
GovData Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0 geltende Fassung

Stand: 13. September 2026

Über den Autor

Maik Möhring ist Herausgeber von sonne-24.de. Er bereitet öffentlich zugängliche Register- und Behördendaten so auf, dass Verbraucherinnen und Verbraucher damit konkrete Entscheidungen treffen können, und verantwortet die Quellenprüfung jedes Beitrags.

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